Illustrioribus et nobilitati

Es ist unser Gelöbnis, gegen das achtfache Elend - Krankheit und Verlassenheit, Hunger und Heimatlosigkeit, Lieblosigkeit und Schuld, Unglaube und Gleichgültigkeit - anzukämpfen. Es tritt in den Epochen der Geschichte in unterschiedlichen Formen auf. Jede Generation von Ordensrittern muss laufend festlegen, wie sie den Kampf in ihrer Zeit führt.


...Wie schon bei der vorbereitenden Synode im vergangenen Jahr, sei auch diesen Oktober mit heftigen Auseinandersetzungen zwischen Bischöfen der Tradition und der Moderne, über die Lehre Christi im Zerrbild zeitgeistiger Seelsorge, zu rechnen. Er kritisierte die theologische „Vollignoranz“ so vieler Zeitgenossen durch 40 Jahre versäumter Katechese zu Ehe und Familie und die Verwirrung bezüglich der „herrlichen Lehre Christi“. Dadurch werden Menschen lenkbarer und geben sich Ersatzreligionen hin, wie Esoterik, neue Menschenrechte, „Demokratie“ und die „EU“. Wie die relatio post disceptationem (der Diskussionsreport) von Kardinal Baldisseri zeigt, passe sich die Kirche genau diesem Zeitgeist an.


Den ersten Vortrag hielt der junge Soziologe Dr. Stefan Fuchs vom Institut für Demographie, Gemeinwohl und Familie (IDAF) in Bonn, zur Einführung in das komplexe Thema. Er kritisierte in einem, mit vielen Statistiken illustrierten Vortrag, daß auch Kirchenleute manche Soziologen wie Säulenheilige betrachten und deren Theorien den Fakten vorziehen, und daß die Kirche Trends zu Fehlentwicklungen (wilde Kohabitationen, Patchwork-Familien) entgegenkommend „versteht“, wobei diese das echte Eheleben in keiner Weise kompensieren können. Von „Buntheit“ zu reden, sei eine unehrliche Beschönigung von Mißständen. Zudem ist die Diskussion über die „wiederverheirateten Geschiedenen“ so gut wie irrelevant, zumal sich jüngere Generationen, auch als Resultat der sexuellen Revolution, zunehmend dem Ehebund verweigern. Fuchs schloß mit der Hoffnung, daß mehr Bischöfe im deutschen Sprachraum den kritischen Scharfblick des Schweizer Kurienkardinals Kurt Koch übernehmen mögen, der sich entschieden gegen eine „Verbilligung der Lehre“ ausspricht.

 

Im  zweiten Vortrag am Freitag beleuchtete der katholische Priester und in St. Pölten lehrende Professor für Dogmatik und ökumenische Theologie Dr. Michael Stickelbroeck die Ekklesiale Dimension des Ehesakramentes. Klassischerweise bildet die Ehe nach dem Brief des Völkerapostels Paulus an die  Epheser (Eph 5, 32) die Einheit von Christus mit seiner Braut, der Kirche, ab. Die Ehe ist von der Kirche getragen und steht unter ihrer Autorität. Sie geht dadurch weit über eine private Abmachung hinaus. Das Urbild der Liebe und damit der Familie ist die Dreifaltigkeit. Die Empfängnisverhütung stellt die personale Liebe als fruchtbringende Liebe in Frage, sie trennt das mutuum adiutorium (gegenseitige Hilfe des Ehepaares) vom Schenken des Lebens. Eheleute sollen aber Mitarbeiter des Schöpfers sein (daher auch lateinisch treffend procreatio). Stickelbroeck forderte, die Sackgasse der gängigen, großflächigen Sakramentenzuteilung, die lediglich aus Gründen oberflächlicher Friedlichkeit und des Einnehmens von Kirchensteuer praktiziert werde, zu überwinden. Die Forderung nach Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion ohne Reue, Beichte, Buße und Beendigung des Lebens im Ehebruch ist ein „Wunsch nach Legalisierung des permanent Widersprüchlichen“. Die Ausrichtung auf das Heil der Menschen geht damit verloren.


Die nachmittägliche Session wurde von Univ.-Doz. Weihbischof Dr. Andreas Laun OSFS mit Ausführungen zur Familienpastoral eröffnet. Laun kritisierte die oberflächliche Ehevorbereitung in den deutsch¬sprachigen Ländern. Die Kirche in der Ukraine hat die Ehevorbereitung auf ein halbes Jahr ausgedehnt, was zu einem dramatischen Sinken der Scheidungsrate geführt hat, sodaß selbst die Behörden darauf aufmerksam geworden sind. Laun betonte, daß die Enzyklika Humanae Vitae von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1968 keine innerkatholische Lehre über eheliche Pflichten im Sinne von Fortpflanzung, sondern eine mit der Vernunft erkennbare, naturrechtliche ist. Katholische Moraltheologie und christliche Sittenlehre sind deswegen eine „Lesehilfe“ dafür, was von Natur aus „in das Herz des Menschen geschrieben“ ist (um auf das berühmte Buch von Wolfgang Waldstein anzuspielen). Menschen sind sich in den Tiefenschichten ihrer Seele dessen bewußt, wenn sie auf dem Gebiet der Sexualität falsch handeln.


Trotz „brutaler Aggressionen“ gegen gläubige Christen und „zunehmendem Totalitarismus“ gibt es auch Zeichen der Hoffnung in Form vieler Initiativen zugunsten von Ehe, Familie und Leben, auch solche, die ein, durch Trennung erzwungenes Alleinsein in heroischem Geist leben.


Den letzten Vortrag hielt Prof. Dr. Harald Seubert (tätig in Nürnberg-Erlangen, Basel  und am Romano-Guardini-Lehrstuhl in München) zum Thema Familie in Beziehung zu Staat und Gesellschaft. Mit Hinweis auf das berühmte Zitat von Ernst Wolfgang Böckenförde Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann, formulierte Seubert eingängig: „Wenn das Ethos nicht mehr da ist, ist der Staat auf Schlingerkurs.“ Die Familie hat metaphysische, ethische und sakramentale Dimensionen, die vom Staat nicht ersetzt werden können. Mit Blick auf die Platonische Relation zwischen Polis und Psyche (wobei die Familie sozusagen das Mittelstück ist) formulierte Seubert drei Punkte:

  1. Der moderne Staat, der mit Gewaltenteilung und Souveränitäts¬monopol zwei wichtige Charakteristiken besitzt, braucht die Ressourcen, die er selbst nicht garantieren kann.
  2. Der Staat müßte schon aus Eigeninteresse die Familie stärken. Sie ist Keimzelle der Gesell¬schaft und Ort der Tradierung eines Ethos. Dieses fördert die wünschenswerte Unabhängigkeit von Markt und Meinungen, da ein Konsens ohne Wahrheit Diktatur ist.
  3. Das tiefe Wissen, daß wir nicht nur aus positiven Satzungen leben, ist schon im Altertum als Naturrecht kodifiziert worden, wofür Antigone (nach dem gleichnamigen Drama des Sophokles, etwa 440 v. Chr.) ein bekanntes Beispiel ist. Heute gilt es, die Beziehung des Staates auf Gott wieder zu gewinnen, der Mensch soll damit als Person in Ehren existieren können.


Samstag früh wurden die Grußbotschaften von Prof. Dr. Walter Kardinal Brandmüller, der wegen eines unerwarteten Krankenhausaufenthaltes als Referent ausgefallen war, sowie vom St. Pöltener Diözesan- und österreichischen „Familienbischof“ DDr. Klaus Küng verlesen. Sie beide zeigten sich ausdrücklich dankbar, daß der Alte Orden vom St. Georg sich dieses hochaktuellen Themas annimmt.


Zuerst sprach der aus der Diözese St. Pölten stammende und in Rom lebende Priester und Philosophiedozent Dr. Marc Hausmann als Ersatzreferent für Kardinal Brandmüller. Mit den Ereignissen in Rom beginnend, erwähnte Hausmann, daß vom Sekretariat der Bischofssynode über das Votum eines Kongresses von Laienverbänden nicht wahrheitsgetreu berichtet wurde. Die Verbände hatten sich mit großer Mehrheit für die Beibehaltung der überlieferten Lehre ausgesprochen, was mit gleichsam „stalinistischen Methoden“ ins Gegenteil verkehrt worden sei. Hausmann erinnerte auch an das unerklärliche Verschwinden der Bücher „In der Wahrheit Christi bleiben“, welches vom Verlag für jeden Teilnehmer noch vor der Bischofssynode 2014 im Vatikan hinterlegt wurde. 


Hausmann referierte über den inneren Zusammenhang zwischen Ehesakrament und Kommunionempfang. Er sprach über die heiligmachende Gnade als Grund, warum die Kommunion bei gescheiterter Ehe und Wiederheirat fruchtlos bleibt. Die heiligmachende Gnade ist das übernatürliche, göttliche Leben im Menschen. Die Kommunion stärkt und ernährt dieses Leben. Wenn das göttliche Leben durch die Todsünde (Ehebruch) verloren wird, kann es nicht von der Kommunion genährt werden. Erst nach einer reuevollen Beichte kann die Kommunion wieder wirksam werden.

 

Im nächsten Vortrag sezierte Hochschulprofessor Dr. Thomas H. Stark (St. Pölten und Heiligenkreuz) die philosophischen bzw. ideologischen Grundlagen von Kardinal Walter Kasper, der einer der Protagonisten der innerkirchlichen Revolution ist. In schreiendem Gegensatz zur althergebrachten Philosophie und zum gesunden Menschenverstand, löst Kasper in der Tradition Hegels und somit der Gnosis in „evolutionistischer“ Weise Wahrheit in Geschichtlichkeit auf. Dahinter steht eine unbegründet optimistische Haltung gegenüber der „modernen“ Weltgestalt. Damit verlieren auch die alten Glaubensdokumente jede normative Kraft, auch die Bibel. Im – sehr wirren – Kasper'schen System gibt es keine Objektivität mehr, letztlich ist er selbst der einzige Interpret seines Systems. Damit gleicht er dem Naturwissenschaftler, Teilhard de Chardin SJ, dessen Universum irgendwo zwischen Philosophie, Theologie und Evolution suspendiert ist. Kasper zitiert ihn zustimmend. Durch die Verwerfung der Scholastischen Theologie und Moral baut Kasper sein System (das im Übrigen außerhalb der Theologie ohnehin niemanden interessiert) auf Sand. Am Schluß bleibt nichts übrig, so Prof. Stark.

 

Der Nachmittag wurde von der medial bekannten Autorin, Journalistin und Aktivistin Birgit Kelle mit dem Thema Gender Mainstreaming und christlicher Glaube eingeleitet. Sie kritisierte, daß die völlig wirklichkeitsfremde Ideologie, eine Erfindung u.a. der lesbischen Linguistin Judith Butler, von der sozialen Bedingtheit und freien Wählbarkeit der Geschlechter tief in die Kirche eingedrungen ist. Die Evangelische Kirche Deutschlands formuliert sogar die Schöpfungsgeschichte um (Bibel in gerechter Sprache). Dort taucht auch die Meinung auf, Zweigeschlechtlichkeit wäre eine „Erfindung der Nazis“. Im Prinzip geht es um die Zerstörung der Ehe (was 1968 eben noch nicht funktioniert hat) durch ihre Ausweitung auf alle möglichen Lebensgemeinschaften. Die gesellschaftliche Realität ist aber immer noch eine ganz andere.

Es geht schon längst nicht mehr um „Toleranz“ sondern um „Akzeptanz“ dieser Verirrungen. Kelle kritisierte die Tendenz zum Kollektivismus und die Abkoppelung der Fortpflanzung von der Biologie durch Eizellenspende und Leihmutterschaft. Abgesehen von der Unsicherheit, was die Vaterschaft angeht, ist heute nicht einmal mehr die Mutter gewiß. Kelle ermutigte, daß der Kampf noch lange nicht verloren ist, denn er wurde seitens der Menschen guten Willens noch nicht einmal aufgenommen.


Der letzte Vortrag wurde von dem aus Chile stammenden Autor und Aktivisten Mathias von Gersdorff zum Thema Politische und ideologische Direktiven gegen die Familie gehalten. Er führte aus, daß die gesellschaftspolitische Gender-Ideologie schwer zu definieren und eigentlich ein Chamäleon ist. Was klar ist, da sie ja diametral gegen jede Vernunft ist. Er kam auf den irrationalen Haß auf die Realität durch Judith Butler und Shulamit Firestone, als Urmütter dieser Ideologie zu sprechen. Gersdorff, der sich bei den erfolgreichen „Demos für alle“ in Stuttgart einsetzt, sprach aus eigener Erfahrung von einer Aggressivität der Gegendemonstranten, die es nicht einmal bei den Abtreibungskämpfen der 90er Jahre gegeben hat. Die dortige grün-rote Landesregierung reagiert sehr nervös auf den Widerstand.

Gersdorff beklagte das Eindringen dieser Gender-Ideologie in die Kirche, die mit dem „geballten Haß“ auf die Enzyklika Humanae Vitae (über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens) 1968 begann. „Die Rede von Kardinal Kasper vor dem Konsistorium hat die Büchse der Pandora geöffnet,“ schloß Mathias von Gersdorff.

 

In der Predigt des levitierten Hochamtes im überlieferten Ritus in der Burghauser Pfarrkirche St. Jakob am Abend des 29. August, wies Doz. Dr. Marc Hausmann auf das Zeugnis des hl. Johannes des Täufers hin, dem sein Eintreten für die Reinheit der Ehe den Kopf gekostet hat.


Der Konvent ging am Sonntag mit einer hl. Messe und einer Führung auf der Burg zu Ende. 

 

Resümee

Wie in den moderierten Diskussionen und persönlichen Gesprächen offenkundig wurde, werden sowohl die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, wie auch jegliche Form der kirchlichen Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften entschieden abgelehnt. Es könne auch keinen „Deal“ zwischen traditionsverbundenen und dem Zeitgeist hinterher eilenden Bischöfen geben, in welchem das Ehesakrament in seiner tradierten Form unangetastet bleibt, dafür aber Homo-“Ehen“ aner¬kannt und gesegnet würden. Einigkeit herrschte auch darüber, daß es keine (kirchen-) politische Korrekt¬heit geben kann, welche es verbietet, das Böse, die Sünde und sündhaftes Verhalten als Solches zu benennen. Um diese Ziele im Sinne der wahren biblischen Lehre zu erreichen, hoffen viele auf eine Reform des Religionsunterrichts und der allgemeinen Katechese. Dazu gehört auch eine sinnvolle Sakra¬mentenlehre an den Schulen, Hochschulen und Priesterseminaren – auch wenn dies eine Rückkehr zu tradierten und sogenannten „vorkonziliaren“ Formen verlangt. Nur so kann das allgemeine Unwissen über die sakramentale, sowie gesellschaftliche Bedeutung von Ehe und natürlicher Familie überwunden werden. Eine fundierte Glaubensvermittlung wird nicht zuletzt als Aufgabe der Priester und Katecheten gesehen, die ein religiöses Bewußtsein im Sinne von persönlicher Gewissenserforschung und der Wiederherstellung der familiären „Hauskirche“ schaffen müssen. Entgegen „pastoralen“, hinter zweideutigen Formulierungen versteckten Aufweichungen, werden von der Bischofssynode und letztlich von Seiner Heiligkeit, Papst Franziskus, klare Worte, konsequente Richtlinien und umsetzbare Vorgaben erwartet. Erst dann, so die mehrheitliche Meinung der Teilnehmer am 15. Sommerlichen Arbeitskonvent des Alten Ordens vom St. Georg, kann dem Thema der XIV. Generalversammlung der Bischöfe im Oktober 2015, Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute, Sinn und langfristiger Erfolg verliehen werden.

Alle Vorträge sind online abrufbar unter: www.gloria.tv/user/BCmffPqzGa3

 

Erwartungen gläubiger Christen von der Bischofssynode
(in Rom, 4. - 25.Oktober 2015)

 

Zusammenfassend ergaben sich mehrheitlich folgende Erwartungen von der Bischofssynode:

  • Keinerlei Änderungen am Sakrament der Ehe, als Richtschnur für gelingendes Familienleben.
  • Trotz kirchlicher Barmherzigkeit gegenüber Sündern, die im Ehebruch leben, keine Kommunion ohne ehrliche Beichte, Buße und Willigkeit zur Änderung der sündhaften Lebensumstände.
  • Intensivierung der traditionellen Glaubenslehre und des Religionsunterrichts in Schulen, Priesterseminaren und weiteren akademischen Instituten der Theologie.
  • Mehr katechetische Kirchenpredigten über die traditionelle Theologie der Sakramentenlehre.
  • Zeitliche Verlängerung und inhaltliche Vertiefung der kirchlichen Ehevorbereitung für Brautpaare, um ihre vorläufige Partnerwahl auch vom Religiösen her überdenken zu können.
  • Trotz Einbeziehung in aktives Kirchenleben, keinerlei kirchliche Anerkennung, geschweige denn Segnung von gleichgeschlechtlich zusammenlebenden Partnern.
  • Keine (kirchen-)politische Korrektheit, welche es verhindern soll, das Böse und sündhaftes Verhalten im Bereich Ehe und Familie, als solches zu benennen, weil verständnisvolles Schönreden üblicher Verwirrungen und Verfehlungen schlicht teuflisch ist.
  •  Empfohlen wurde auch, für die Bischöfe und den Heiligen Vater zu beten, um die richtigen Entscheidungen bei der Synode zu treffen und die Einheit der Kirche zu bewahren.

 

Angesichts der hohen Teilnehmerzahl, der Qualität der Vorträge und anschließenden Diskussionen, sowie des anregenden Austauschs während der gemeinsamen Mahlzeiten und langen Abende, kann von der effektiven Wirkung in weiteren meinungsbildenden Zirkeln ausgegangen werden. Dies verleiht dem Alten Orden vom St. Georg Sinn und Zweck als zeitkritische Denkwerkstatt.


Die Vorträge werden auch in Printform erscheinen.


Wien, im September 2015