Wagnis des Glaubens

Auszug aus: „Die Wagnisse des Glaubens“ (John Henry Newman, 1801-1890)

Wir wissen, was es heißt, in irgendeinem Unternehmen dieser Welt einen Einsatz zu wagen. Wir riskieren unser Eigentum bei Plänen, die Erfolg versprechen; bei Plänen, die uns verheißend erscheinen, an die wir glauben. Was haben wir für Christus gewagt? Was haben wir Ihm gegeben auf Grund unseres Glaubens an seine Verheißung?

Ein Geschäftsmann, der etwas von seinem Vermögen in ein Unternehmen steckt, das aber fehlschlägt, verliert nicht nur seine Aussicht auf Gewinn, sondern noch etwas von seinem Vermögen, dass er in der Hoffnung auf Gewinn gewagt hatte. Das ist unsere Frage: was haben wir gewagt! Ich hege die tatsächliche Befürchtung, bei einer etwaigen Überprüfung stellt sich heraus, dass es nichts gibt, wozu wir uns entschließen, nichts, das wir tun, nichts, das wir unterlassen, nichts, das wir meiden, nichts, das wir wählen, nichts, das wir aufgeben, nichts, dass wir unternehmen, wozu wir uns nicht entschließen würden, das wir nicht täten, nicht unterließen, vermieden, wählten, aufgäben und unternähmen, wenn Christus nicht gestorben und der Himmel uns nicht verheißen wäre.

Ich fürchte wirklich, dass die meisten der so genannten Christen, wie immer ihr Bekenntnis sein mag, was immer sie an Gefühl zu haben glauben, was immer an Wärme und Erleuchtung und Liebe sie für sich in Anspruch nehmen mögen, dennoch wandeln, fast wie sie wandeln würden, weder viel besser noch viel schlechter, wenn sie das Christentum für eine Fabel hielten. In jungen Jahren überlassen Sie sich der Lust oder jagen wenigstens weltlichen Eitelkeiten nach; mit fortschreitenden Jahren arbeiten sie sich in das Geschäftsleben ein oder betreten einen anderen Weg, um Geld zu verdienen; dann heiraten sie und gründen eine Familie; und da sich bei ihnen Interesse und Pflicht paaren, scheinen sie ehrsame und religiöse Menschen zu sein und halten sich auch dafür; sie lieben die Verhältnisse, wie sie sind; sie beginnen, Eifer gegen Laster und Irrtum zu entwickeln, und bestreben sich, mit allen Menschen im Frieden zu leben. Solches Verhalten ist natürlich insoweit recht und lobenswert. Nur, behaupte ich, hat es mit der Religion nicht notwendigerweise etwas zu tun. Es enthält nichts, was in seinen Trägern von dem Vorhandensein religiöser Grundsätze irgendwie zeugte; es gibt nichts, was sie nicht weiterhin täten, obwohl sie nichts anderes davon gewinnen, als was sie auch jetzt gewinnen. Etwas gewinnen Sie auch jetzt, sie befriedigen ihre jetzigen Wünsche, sie führen ein ruhiges und geordnetes Leben, denn das ist ihr Interesse und ihr Geschmack. Aber sie wagen nichts, riskieren nichts, opfern nichts, geben nichts auf um des Glaubens Willen an Christi Wort.