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Arbeitskonvent 2017

Russland, Freund oder Feind?


Europa zwischen Ost und West


Ein aktuelles Thema wurde beim Arbeitskonvent in Passau von mehreren Seiten beleuchtet

Die Sommerpause endete Anfang September 2017 mit dem bereits 17. Arbeitskonvent, diesmal zum hochaktuellen Thema Russland, Freund oder Feind? in Passau. Acht Referenten, darunter Fürst Karl von Schwarzenberg, befassten sich mit der Frage, wo Europa zwischen Washington, Brüssel und Moskau eigentlich steht. Historisch und mehrschichtig realpolitisch führte Ordensbruder Christian Zeitz ein. Dann sprach die beruflich zwischen Berlin und Moskau pendelnde Regina von Flemming über die geopolitischen, wirtschaftlichen und medialen Paradigmenwechsel, welche die russische Politik beeinflussen. Über die internationalen Spannungen, gepaart mit dem inneren Feind des Abendlandes als Schatten der Freiheit, sprach der holländische Sozial- und Kulturphilosoph Adriaan Verbrugge. Bei der häufig gelobten religiösen Erneuerung Russlands ortete der russische Theologe Vasily Prusakov FSSP einen dringenden philosophisch-theologischen Nachholbedarf auf beiden Seiten. Der in Ostdeutschland aufgewachsene Zoltán Kiszelly, erklärte den ungarischen „illiberalen Staat“ (illiberale Demokratie) als Immunreaktion auf die vielen globalen Vorgaben einer ungewollten Neuen Weltordnung, NWO. Zur russischen Wirtschafts-, Sozial- und Geopolitik im internationalen Kontext äußerte sich sehr fundiert der Moskauer Politologe Wladislaw Belov. Als letzter sprach Ordensbruder Algis Klimaitis sehr einleuchtend über die Idee eines Europas von Lissabon bis Wladiwostok (Eurasien). Im Sinne der praktizierten Meinungsbildung innerhalb der Denkwerkstatt des Alten Ordens wurde nach allen Referaten heftig diskutiert.

Landshuter Hochzeit 2017

Die Hochzeit in Landshut im Jahre 1475


Ein Ordensausflug ins ausgehende Mittelalter


Ende Juli 2017 reiste eine größere Gruppe von Ordensbrüdern nach Bayern zur Landshuter Hochzeit, einer Art Volksfest, bei welchem die Bürger der Stadt mittelalterlich gekleidet sind, wie sie es waren, als im Jahre 1475 der bayerische Herzog Georg die aus Krakau mit großer Entourage angereiste jagiellonische Prinzessin Hedwig (Jadwiga), Tochter des litauischen Großfürsten und polnischen Königs Kasimir IV. (Jogailaitis) ehelichte. Der dortige Bierpapst, unser Ordensbruder Stephan Koller, sowie Ordensbruder Stefan Reichert leisteten die hervorragende Organisation bei diesem interessanten und unterhaltsamen Ordensausflug.

Ordensabend Juni 2017

Die Herrnhuter


Friedrich Martin Geller bringt Details zur Herrnhuter Gemeinde


Im Juni 2017 erzählte uns der deutsch-brasilianische Unternehmer und Ordensnovize Friedrich Martin Geller über die Ursprünge, religiöse Praxis und Kultur der weltweit vertretenen Herrnhuter Gemeinde, die als Evangelische Kirche der ´Böhmischen Brüder´ auf Jan Hus ins 15. Jhdt. zurückgeht. Auch der Vortragende selbst bekennt sich zu dieser Glaubensgemeinde.

Ordensabend Mai 2017

Der Bürgerkrieg in Syrien


Pater Dr. Hanna Ghoneim zu einem der schlimmsten Krisenherde der Gegenwart


Im Mai 2017 zeigte uns der syrische, von der Erzdiözese Wien und Kardinal Schönborn geförderte Pater Dr. Hanna Ghoneim in seinem Video-unterstützten Vortrag die von Mainstream-Medien nie gebrachten schauerlichen Seiten und Bilder des furchtbaren Bürgerkrieges, sowie des unendlichen Leids in seiner Heimat.

Ordenskonvent 2017

Sechs neue Ordensbrüder beim Ordenskonvent angelobt


Zum Festlichen Konvent im April 2017 konnten wir sechs neue Ordensbrüder proklamieren, in der anschließenden heiligen Ordensmesse legten die ritterlichen Herren ihr Treuegelöbnis ab. Während des Festdiners spielten zwei junge Russen klassische Musik (Klavier und Cello). Am darauf folgenden (Familien-) Tag gab es eine Führung von Dr. Albert Pethö durch die Ausstellung über Kaiserin Maria Theresia im Prunksaal der Nationalbibliothek.

Arbeitskonvent 2016

Szene am Inn

Die Zukunft Europas – ist unsere Zivilisation dem Untergang geweiht?


Welche Ziele verfolgen Politik, internationale Lobbyisten und Medien?


Anfragen zu Wesen und Geist Europas beim Arbeitskonvent in Passau

Am Morgen des Freitag, 26.08.16, eröffnete Gouverneur Prinz Gundakar von und zu Liechtenstein den 16. Sommerlichen Arbeitskonvent im Bildungshaus Spectrum-Kirche auf Mariahilf in Passau mit Anfragen zum Wesen von Europa und dessen Geist.

Der zentrale Punkt war ein Bekenntnis, wie es einem christlichen Ritterorden gut ansteht: Was ist Europa spirituell? Es ist das Christentum. Jesus Christus ist nicht einfach ein Religionsgründer sondern der Heiland. Von daher hat Europa eine Hochkultur geprägt und exportiert. Wo aber steht Europa heute – und morgen? Die ursprünglich gute Idee der EU sei pervertiert worden.

Ordenskanzler Graf Peter zu Stolberg-Stolberg sagte in seiner Begrüßung programmatisch für die Tagung: „Wir dürfen nicht wegschauen angesichts der Probleme. Daher zur Sache. Ist der Status quo Europas nascendi oder stehen wir vor einer geistigen Wende?“

Das erste Hauptreferat wurde von Mag. Christian Zeitz, Ökonom, Politikberater, Kulturphilosoph und Islambeauftragter des Wiener Akademikerbundes, gehalten:

Die Großkrise Europas fordert den Aufbruch in eine neue Ordnung –
kontra EU-Superstaat, Neo-Syndikalismus, Islamisierung und kulturelle Destruktion.

Zeitz erklärte, er sei vor 40 Jahren in eine damals christliche Partei, die ÖVP, eingetreten. Dort war er 1989/90 Landesparteisekretär der Wiener ÖVP. Damals waren er und viele ÖVP-Politiker der Meinung, dass der EG-Beitritt gut wäre und der Re-Christianisierung des Kontinents dienen würde.

Im Zuge der „Stadtaußenpolitik“ knüpfte Zeitz Kontakte in den Ostblock (mit dem Prager Erzbischof Kardinal František Tomášek, dem slowakischen Oppositionellen und nachmaligen Regierungschef Ján Čarnogurský – auch dieser glaubte an ein „gemeinsames christliches Europa“ –, dem ungarischen Regierungschef József Antal und dem kalvinistischen Pfarrer László Tőkés aus Rumänien, der 1989 das Regime ins Wanken gebracht hatte).

Die heutige Situation, die den Erwartungen nicht entspricht, war das Ergebnis einer Kette von falschen Entscheidungen (Jean Monet, Dreistufenplan von Jacques Delors, 1989).

Zeitz führte kenntnisreich die einzelnen Schritte der EG in einen totalitären Superstaat aus:

Die große Zäsur war der Vertrag von Amsterdam 1997. Hier liegt eine ideologische Wendemarke. Der Artikel 13 sieht ein „Anti-Diskriminierungs-Regime“ vor. „Diskriminierung“ wird aber nie als Tatbestand definiert. Was ungleich behandelt wird, muss, wenn es die Politik will, nunmehr gleich behandelt werden. Es geht hier nicht um (wünschenswerte) Rechtsfolgegleichheit und Rechtssicherheit.

Der Lissabon-Vertrag (2008), Ersatz für die Euro-Verfassung, die von Frankreich und den Niederlanden abgelehnt worden waren, wurde schon vorher vorbereitet: etwa durch den „Grundwertekatalog“ (von Roman Herzog), der „soziale Grundrechte“ enthält. Diese stellen Ansprüche an den Staat dar und widerstreiten somit den klassischen Individualrechten gegen einen überbordenden Staat.

Im Art. 10 wird etwa die Religionsfreiheit definiert, aber anders als in Art. 9 der Europäischen Erklärung der Menschenrechte, wo es einen Gesetzesvorbehalt gibt („solange die Ausübung nicht den Gesetzen widerspricht“ o. ä.). Bei allen Grundrechten gibt es einen Gesetzesvorbehalt, daher gibt es kein absolutes Recht.

Es gibt kein europäisches Staatsvolk. Die Okkupation durch „Flüchtlinge“ generiert jedoch tendenziell ein solches. Es wird ein kulturell nicht definiertes und nicht sehr intelligentes Mischvolk angestrebt.

Die abgehobene Qualität des Nomenklatura-Staates (oder Super-Staates) ermöglicht quasi Projekte gegen die Kultur der europäischen Völker selbst. Es gibt nicht den Hauch einer demokratischen Legitimation dieser Auswüchse (Multikulturalismus, Gender-Wahn u. a.).

Zeitz zitierte Ralf Dahrendorf, gemäß dem die Nationalstaaten die Obergrenze sind, innerhalb denen Demokratie möglich ist.

Zeitz kritisierte auch die zahlreichen EU-Agenturen, die praktisch unkontrolliert arbeiten können und keine Rechenschaft für ihre Finanzgebarung ablegen müssen. Die Rechtsstaatlichkeit wird durch sie untergraben, ähnlich wie durch Vorgaben der UNO (z. B. „Aktionsplan gegen Rassismus“). Die Eliten sind völlig abgehoben (EU-Parlamentspräsident Martin Schulz: „Bei Grundsatzentscheidungen kann es keine Meinungsfreiheit geben“).

Ein radikaler Hedonismus wurde propagiert zuungunsten von Konsum- und Triebverzicht. Gleichzeitig wurde das One-World-Denken propagiert.

Das Resultat ist desaströs:

  1. Bevölkerungsaustausch, Okkupation und Landnahme
  2. Schädigung der Familie. Trennung zwischen Sexualvollzug, Zeugung und dem Aufziehen von Kindern, politischer Zugriff auf die Zeugung
  3. Krise der Institutionen
  4. Islamisierung. Es ist besonders paradox, dass sich die EU als „rational“ und „aufgeklärt“ begreift, die Islamisierung aber fördert, obwohl der Islam irrational ist. Für die Ökonomie ist relevant und paradigmatisch, dass es bei Mohammed und seinen Anhängern keinerlei Erwerbsarbeit gab.

Zum Schluss kam Zeitz auf die Political Correctness, Produkt eines Kultursozialismus Trotzkistischer Prägung, zu sprechen, die nicht nur auf informeller Ebene wirkt. Die Erfindung des „Hassdelikts“ bzw. der „Hassrede“ richtet sich gegen die Meinungsfreiheit. Das neue Polizeiliche Staatsschutzgesetz in Österreich fördert das Spitzelwesen und schränkt die Anforderungen richterlicher Befehle ein.

Was ist nun die Alternative?

Der BREXIT hatte einen katalytischen Effekt: Die Leute sehen die EU viel kritischer und viele lehnen die EU-Großprojekte mittlerweile ab. Auch das Diktat der Mainstream-Medien wurde aufgebrochen.

Zeitz fordert ein christliches Kerneuropa, von dem die Erneuerung ausgehen kann. Dazu sollten die Visegrád-Staaten und Österreich gehören, ggf. die Westbalkanstaaten und die baltischen Staaten. Dazu muss es Zusammenarbeit mit Russland, der Ukraine und Weißrußland geben. Es geht um freie Menschen unter rechtsstaatlichen Bedingungen. Von der Idee des Weltstaatsdogmas muss man sich lösen.

Zeitz rief dazu auf, eine christliche Kulturlandschaft in Anspruch zu nehmen, denn es existiert noch viel Traditionskapital.

Am Nachmittag sprach Dr. Thierry Baudet aus den Niederlanden, Jurist, Journalist, Autor, politischer Aktivist, unter dem Titel

Updating Von Clausewitz – Warfare in the Age of Internet
How to Outwit Politically Correct Mainstream-Media.

Baudet sprach mit Hilfe einer umfangreichen Power-Point- und Video-Präsentation über die Erfolge seiner politischen Initiativen. Vor etwa eineinhalb Jahren wurde von ihm das Forum voor Democratie gegründet. Es sammelt die Stimmen der mit der Politik Unzufriedenen.

Baudet erzählte von seiner Lebensänderung, die von den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem Mord an dem niederländischen Politiker Pim Fortuyn ausgelöst wurde. Er versuchte nicht mehr, vom Hauptstrom akzeptiert zu werden (inkl. Karriere).

Das FfD hat eine signifikante Präsenz im Internet und ein landesweites, sowie internationales Netzwerk zur Verfügung. Das von ihm erwirkte erfolgreiche Referendum über die Ablehnung des Assoziierungsabkommens der EU mit der Ukraine, am 6. April 2016, erreichte das Quorum.

Auch Prozesse gegen die niederländische Regierung bzw. gegen den Premierminister Mark Rutte und gegen seinen Innenminister wurden angestrengt.

Im Diskussionsteil bezeichnete Baudet auf eine Anfrage über die selektive Medienberichterstattung im Westen (widerliche Szenen am Maidan in Kiew gegen reguläre Polizisten wurden im Westen nicht gezeigt, dafür waren Guy Verhofstadt und andere Politiker täglich in Kiew, um die Leute aufzuhetzen) den EU-Ukraine-Vertrag als Symptom einer kranken EU. Der Text ist auch sehr weitschweifig und kompliziert.

Baudet sprach sich persönlich für den NEXIT aus, da die EU eine destruktive Organisation ist, auch der Euro hat keine Vorteile gebracht.

Baudet zitiert Erasmus von Rotterdam, der eine République des Lettres (Gelehrtenrepublik) in Europa im Geist der Freundschaft und Kooperation vorschlug.

Baudet meinte, die NATO war ursprünglich sinnvoll, bezweifelte aber, dass es gemeinsame Interessen zwischen der USA und der EU gäbe: „Wir wollen keinen Krieg mit Russland, die USA eventuell schon.“ Die USA machen eine sehr destruktive Politik im Nahen Osten, wir Europäer zahlen den Preis („Flüchtlinge“).

Der Samstag wurde mit dem Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Bassam Tibi, Sozialwissenschaftler, Nahostexperte und vielgelesener Autor eröffnet, mit

Die islamische Herausforderung an Europa und der Mangel an Redefreiheit –
Auswirkungen von Islamismus und türkischer AKP auf die EU-Politik

Tibi stammt aus einer reichen sunnitischen Familie der Damaszener Oberschicht. Mit 18 Jahren kam er Anfang der 60er Jahre nach Deutschland, wo er Philosophie und Soziologie studierte (u. a. bei Max Horkheimer von der marxistisch-freudianischen „Frankfurter Schule“). Er wurde Professor in Göttingen, wo er – mit verschiedenen Unterbrechungen, u. a. in Harvard und an mehreren Hochschulen zwischen Jakarta und Berkely – bis zur Emeritierung blieb. Tibi thematisierte vier Punkte:

  1. Der Islam ist ein Stück Europa geworden. Derzeit sind etwa 30 Millionen Muslime in Westeuropa (besonders in Frankreich, 8 Mio., und in Deutschland, 6 Mio.)
  2. Die Alawiten haben die 17 großen sunnitischen Familien in Damaskus (Aschraf-Familien, die Aristokratie) verfolgt („bin daher in Deutschland geblieben“) und vernichtet
  3. Der „Islamismus“ ist nicht der Islam
  4. Türkei und AKP: Tibi sagte, er sei 2008 auf der schwarzen Liste von Präsident Erdoğan.

Ad 1.

Die „Willkommenskultur“ ist kein Konzept für Einwanderung und Integration, weder für Deutschland noch für die gesamte EU. Wer darüber kritisch redet, ist „islamophob“ und ein „Populist“.

65 Millionen stehen vor den Toren Europas. „Wenn die kommen – forget about Europe!“

„Bin gegen Kopftuchislam. Der ist nicht integrierbar. Der Islam ist eine aggressiv missionarische Religion“.

Ad 2.

Die Scharia ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Eine weitere Herausforderung ist die „Da’wah“ (Einladung zum Islam, islamische Mission). Tibi fragte rhetorisch, ob wir in Deutschland offen darüber reden dürfen und gab gleich die Antwort: „Nein, das ist verboten!“

In Deutschland ist es nämlich ein Mantra und Staatsreligion, dass, wer gegen Merkel ist, auch ein Nazi ist.

Ad 3.

Tibi verwies auf sein Buch „Islamism and Islam“ (Yale University Press). Er meint, das sagen auch viele Deutsche, dass Islamismus nicht Islam ist. Die falsche Schlussfolgerung daraus lautet allerdings, dass der Islamismus nichts mit dem Islam zu tun hätte.

Tibi erklärte den von ihm geprägten Begriff „Religionisierung“. Er nannte als Beispiel die Arbeitslosigkeit eines jungen Moslems wegen Schulabbruchs und Minderqualifizierung. Die rationale Erklärung dieses Zustandes ist: Ich bin schlecht qualifiziert. Die „religionisierte“ Erklärung ist: Ich bekomme keine Arbeit, weil ich Moslem bin und unter Ungläubigen lebe.

Der (innerislamische) Krieg in Syrien werde aufgrund seiner „Religionisierung“ noch Jahre andauern.

Ad 4.

Der Putschversuch in der Türkei brachte Unehrlichkeiten in Deutschland zutage: Am 20. Juli wird der Putsch der Generäle von 1944 gedacht. In der Türkei haben sich heuer kemalistische Offiziere gegen die Diktatur von Erdoğan erhoben (man beachte, dass auch Hitler demokratisch gewählt worden war). Bundeskanzlerin Merkel schickt aber ein Gratulationstelegramm an Erdoğan! Und das, obwohl an die 5000 Richter und Staatsanwälte verhaftet wurden!

Der Putsch war von daher ein „Geschenk des Himmels“ an Erdoğan – vielleicht hat er ihn selbst inszeniert. Die letzten säkularen Säulen des Kemalismus werden jetzt vernichtet (Armeeführung, Justiz).

Die deutsche Presse spricht bis heute fälschlich von einem „Sieg der Demokratie in der Türkei“.

Die Türkei islamisiert sich derzeit rasch.

Resümierend sagte Tibi, dass die wichtigste Gefahr für den Westen heute in der Ideologie der Islamischen Liga liegt („Europäische Organisation Islamischer Zentren“ in Genf, die sich massiv für den Bau von Moscheen einsetzt).

Bemerkenswerterweise gab Tibi zu, dass taktische Lügen durch Imame Teil sowohl des schiitischen als auch des sunnitischen Islams sind.

So wurde ein überaus schillernder Vortrag schillernd beschlossen.

Am Nachmittag des Samstag sprach als letzter Redner des Arbeitskonvents der Salzburger Weihbischof Dr. Andreas Laun osfs, Dozent für Moraltheologie und Angehöriger der Oblaten des hl. Franz von Sales, zum Thema

Europa ohne christlichen Glauben? –
Der praktische Religionsvollzug – eine kulturelle Überlebensfrage.

Als maßgebliche Mentoren für eine Situationsanalyse und für weitere Inspirationen, nannte er den brasilianischen Denker, Juristen, Abgeordneten und Aktivisten Plinio Corrêa de Oliveira (1908 – 1995) und dessen Buch „Revolution und Gegenrevolution“, Robert Kardinal Sarah („Gott oder nichts“), und den tschechischen Philosophen Martin Cajthaml (der Gedanken des tschechischen Philosophen und Charta 77 – Unterzeichners, Jan Patočka, verarbeitet).

Laun konstatierte eine Verblödung des Volkes bis in bischöfliche Kreise. Bischöfe hatten sich über die Aussage Launs empört, dass Homosexualität heilbar ist. Viele Bischöfe kennen sich nicht aus, auch nicht über Abtreibung.

Abtreibung ist sogar mit dem Holocaust vergleichbar – „hier haben wir geschwiegen“.

Heute wird das Naturrecht missachtet und die Wahrheit der Logik der Mehrheit unterworfen. Man kann einfach nicht eine „Homoehe“ beschließen, denn das gibt es nicht. Thomas von Aquin sagt: Wenn ein Gesetz gegen das Naturrecht ist, ist es ein nichtiges Gesetz. Professor Wolfgang Waldstein, Autor eines bedeutenden Buches über das Naturrecht („Ins Herz geschrieben“, 2010) sagte: „Mit der Fristenlösung hat Österreich aufgehört, im Vollsinn ein Rechtsstaat zu sein.“

Laun beklagte, dass nicht einmal die Kirche revoltiert, dass Gott nicht in der Verfassung vorkommt. Gott ist peinlich geworden.

Laun kam auch auf den aktuellen Präsidentschaftswahlkampf in Österreich zu sprechen und sagte, dass die kommunistischen Verbrechen durchaus denen des Nationalsozialismus entsprechen. Der Kommunismus ist nicht eine harmlose Irrung. Laun warnte auch davor, in den Schulen u. a. NS-Filme zu zeigen, weil diese erst recht natürliche, dunkle Instinkte wecken können.

Laun thematisierte noch die in der Kirche üblich gewordene Hochschätzung der nicht-christlichen Religionen und bezeichnete den „Lobpreis der anderen Religionen“ als „absurd“. Denn im Heidentum herrscht nur Hoffnungslosigkeit. Robert Kardinal Sarah wies in seinem Buch „Gott oder nichts“ darauf hin. Und ohne Gebet gibt es keine wirkliche Freude. Laun schloss mit seinem Wunsch, dass Kardinal Sarah Papst wird „dann hätten wir einen Papst vom Format von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.“

Für Sonntag, den 28.08.2016, war eine hl. Messe am Grab der Seligen Gisela von Bayern, Witwe des hl. Königs Stephan von Ungarn, in der Klosterkirche von Niedernburg und ein geführter Rundgang durch die historische Altstadt von Passau, sowie ein gemeinsames Mittagessen organisiert worden.

Resüme

Die Tagung muss inhaltlich und von der Besucherzahl als Erfolg gewertet werden. Der bereits 16. Sommerliche Arbeitskonvent des Alten Ordens vom Sankt Georg hat sich wiederum als Denkwerkstatt von hoher Qualität erwiesen, weitreichende Überlegungen und Informationen wurden ausgetauscht, auch die Büchertische waren sehr gut bestückt. Die inhaltliche Bandbreite der Referenten war eindrucksvoll, vieles von dem Gesagten ist in einer weitgehend gleichgeschalteten Öffentlichkeit normalerweise nicht zu hören.

Inwiefern die Fragen des Generalthemas der Tagung beantwortet worden sind, wird jeder für sich herausarbeiten müssen. Dasselbe gilt für die Frage nach den Konsequenzen für das persönliche Leben. Klar ist jedenfalls, dass ohne erneute Hinwendung zu Gott weder Europa eine erfreuliche Zukunft haben wird noch jeder einzelne.

Nebst dieser Zusammenfassung in Kurzform gibt es auch eine viel ausführlichere Langfassung, welche in der Ordenskanzlei bestellt werden kann (kanzlei@aovstg.org).

Wolfram Schrems, 13.10.16

Ordensabend Juni 2016

Unterhaltungen am Esstisch

Kapitalismus ja? Liberalismus nein?


Referat von Prof. Dr. Endre Bárdossy


Eine Analyse über Ursachen und Zustände in der Welt von heute referierte am Abend des 20. Juni 2016 in den Räumen des St. Johanns Clubs am Schubertring 4, 1010 Wien, der ungarische Wirtschaftsphilosoph Prof. Dr. Endre Bárdossy. Anklagend hielt Bárdossy fest, dass Liberté, Égalité, Fraternité kein Goldenes Zeitalter einläuteten, sondern begannen, die Moral von der Rationalität loszulösen, bekanntlich mit verheerenden Konsequenzen. Auguste Comte, Thomas Robert Malthus, John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek wurden dafür in den Zeugenstand gerufen. Die einzelnen Segmente der Verhandlung drehten sich dann um die Eckpunkte eines nicht unleidenschaftlichen Plädoyers, das dennoch um Objektivität bemüht war. Hier einige Hauptpunkte bzw. Thesen des Referenten (für nähere Informationen kontaktieren Sie gerne die Ordenskanzlei):

  • Liberalismus und Sozialismus sind eineiige Zwillinge der Aufklärung
  • Im ideologischen Puzzle passen Kapitalismus und Liberalismus niemals zusammen
  • Präzisierung des kontinentalen Liberalismus ist nötig
  • Liberalismus und Sozialdarwinismus
  • Die Lehrschrift von Johannes Paul II. "Centesimus annus" (1991)
  • Wer liefert die Fundamente einer umfassenden Erneuerung?
  • Kapitalismus versus Kreislaufwirtschaft
  • Marktwirtschaft versus Plan- bzw. Befehlswirtschaft
  • Katholizismus versus Liberalismus

Eine angeregte Diskussion bildete den Abschluss des thematischen Teils. Mit über 40 Besuchern war der Abend überdurchschnittlich gut besucht. Der Alte Orden vom St. Georg durfte einige neue Gäste begrüßen, und auch der informelle, gesellschaftliche Teil des Abends war geprägt von fröhlicher Stimmung, netten Begegnungen und anregenden Unterhaltungen.

Ordenskonvent 2016

Festlicher Höhepunkt des Ordensjahres beim Ordenskonvent


Der jährliche Feierliche Ordenskonvent am Samstag nächstens dem St. Georgstag (23. April) ist der festliche Höhepunkt des Ordensjahres mit der Aufnahme neuer Ordensritter, gemeinsamem Gottesdienst bzw. Messe, und Diner mit Ehefrauen und Gästen mit Ehrungen von Ordensrittern und Festprogramm. In diesem Jahr fand der Konvent genau am St. Georgstag statt, es gab ein buntes, fröhliches, kommentiertes Musikprogramm eines hochbegabten Duetts an der Violine und dem Akkordeon.

Weihnachtsfeier 2015

Musikalische Untermalung des Abends

Großer Andrang beim weihnachtlichen Ordensabend mit Buchpräsentation


Vortrag von Dr. Michael Nebehay


Bildbetrachtung von HW Dr. Manfred Müller


Festkorona

Festkorona

Mit über 60 Anwesenden ausgezeichnet besucht war der weihnachtliche Abend des Alten Ordens vom St. Georg am 21. Dezember 2015. Die Ordensritter und ihre Gäste erwartete ein abwechslungsreiches Programm:

Nach der Begrüßung stellte Kanzler Peter Graf zu Stolberg-Stolberg etliche Titel vom eigens aufgebauten Büchertisch vor, auch Vizekanzler Kurt Igler präsentierte zwei Werke – sinnvolle letzte Geschenke für den weihnachtlichen Gabentisch.

Dr. Michael Nebehay

Dr. Michael Nebehay

Der Allgemeinmediziner Dr. Michael Nebehay aus Gmunden sprach über seine Erfahrungen mit „Flüchtlingen“ bzw. Zuwanderern in verschiedenen Erst­aufnahmelagern. Eine Kernaussage dabei war, auf die Pflicht, not­dürftigen Menschen zu helfen, nicht zu vergessen. Er warf auch die kriti­sche Frage auf, ob und wo die christliche Nächstenliebe angesichts der nicht absehbaren, kaum noch zu bewältigenden Zahl von Migranten enden müsse. In der folgenden Debatte gab es starke Statements dazu, die wiederum heftige Diskus­sionen in unserer Denkwerkstatt auslösten.

Kurzfassung des Referates von Dr. Nebehay

Anbetung der Könige

Anbetung der Könige
Rogier van der Weyden

Den Höhepunkt des Abends bildete die weihnachtliche Bildbetrachtung von Hochwürden Dr. Manfred Müller aus Wien über das Meisterwerk Rogier van der Weydens „Anbetung der Könige“. Gekonnt arbeitete er die vielfachen Kontraste dieses erstaunlichen Gemäldes heraus, nicht zuletzt zwischen den prunkvoll gekleideten Königen und dem nackten, kleinen Jesuskind. Und dennoch bildet dieser die Mitte des Bildes, ja gerade in seiner Erniedrigung als menschgewordener Sohn Gottes wird er zur Mitte, zur Zentralgestalt dieser Welt, vor dem die Könige dieser Welt staunend und anbetend ihre Knie beugen.

Detaillierterer Bericht zur Bildbetrachtung

Arbeitskonvent 2015

Ehe und Familie


Zur Bischofssynode im Oktober 2015

Alter Orden vom St. Georg fordert bei seinem Arbeitskonvent 2015 in Burghausen klare Richtlinien anstatt weichen Zeitgeist

Burghausen

Burghausen

Der bereits 15. Sommerliche Arbeitskonvent des Alten Ordens vom St. Georg (www.aovstg.org) fand heuer von 27. – 30. August im malerischen Burghausen, Bayern, zum Thema EHE UND FAMILIE statt. Dies lockte eine Rekordzahl von 80 bis 90 Personen, großteils Akademikern, aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Slowakei, Italien und den USA an, darunter auch eine Reihe interessierter Studenten. Dabei setzte sich die generelle Meinung durch, daß der Weltepiskopat unter der Führung des Bischofs von Rom (Papst Franziskus) den laxen, zeitgeistigen Zuständen mit klaren, eindeutig formulierten Richtlinien, im Einklang mit der christlichen Lehre, entgegentreten müsse.

Ordensgouverneur Prinz Gundakar von und zu Liechtenstein bedankte sich in seiner Begrüßung zunächst bei den Referenten. Er stellte klar, daß die Ehe ein von Jesus Christus eingesetztes Sakrament ist, dass sie unauflöslich ist und dazu eingesetzt, heilig zu leben und die Kinder christlich zu erziehen. Derzeit herrscht ein heil-loses Durcheinander, aber das Sakrament ist gerade dazu da, zum Heil hinzuführen. Unsere Aufgabe ist es zu beten, daß die Synode zu akzeptablen Schlußfolgerungen komme. Es sei wichtig, daß Mittel gefunden werden, den Institutionen Ehe und Familie erneut ihre angestammte naturrechtliche Bedeutung zu verleihen.

Ordenskanzler Graf Peter zu Stolberg-Stolberg begrüßte speziell die anwesenden Studenten und noch Unverheirateten mit der Bemerkung, daß dieses Symposium als Bewußtseinserweiterung für die höchst komplexe Bedeutung von Ehe und Familie speziell für sie von Nutzen sein kann, während die meisten, schon reiferen Anwesenden auf eigene positive, wie negative Erfahrungen zurückblicken können und müssen, was ihre Eheversprechen, Ehepartner, gemeinsame Kinder und ihre mehr oder weniger gelungenen Rollen im Familienleben angehen.

Dann führte er in das Thema ein, indem er den Untertitel des Symposiums „Was dürfen gläubige Christen von der Bischofssynode erwarten?“ erklärte. Wie schon bei der vorbereitenden Synode im vergangenen Jahr, sei auch diesen Oktober mit heftigen Auseinandersetzungen zwischen Bischöfen der Tradition und der Moderne, über die Lehre Christi im Zerrbild zeitgeistiger Seelsorge, zu rechnen. Er kritisierte die theologische „Vollignoranz“ so vieler Zeitgenossen durch 40 Jahre versäumter Katechese zu Ehe und Familie und die Verwirrung bezüglich der „herrlichen Lehre Christi“. Dadurch werden Menschen lenkbarer und geben sich Ersatzreligionen hin, wie Esoterik, neue Menschenrechte, „Demokratie“ und die „EU“. Wie die relatio post disceptationem (der Diskussionsreport) von Kardinal Baldisseri zeigt, passe sich die Kirche genau diesem Zeitgeist an.

Den ersten Vortrag hielt der junge Soziologe Dr. Stefan Fuchs vom Institut für Demographie, Gemeinwohl und Familie (IDAF) in Bonn, zur Einführung in das komplexe Thema. Er kritisierte in einem, mit vielen Statistiken illustrierten Vortrag, daß auch Kirchenleute manche Soziologen wie Säulenheilige betrachten und deren Theorien den Fakten vorziehen, und daß die Kirche Trends zu Fehlentwicklungen (wilde Kohabitationen, Patchwork-Familien) entgegenkommend „versteht“, wobei diese das echte Eheleben in keiner Weise kompensieren können. Von „Buntheit“ zu reden, sei eine unehrliche Beschönigung von Mißständen. Zudem ist die Diskussion über die „wiederverheirateten Geschiedenen“ so gut wie irrelevant, zumal sich jüngere Generationen, auch als Resultat der sexuellen Revolution, zunehmend dem Ehebund verweigern. Fuchs schloß mit der Hoffnung, daß mehr Bischöfe im deutschen Sprachraum den kritischen Scharfblick des Schweizer Kurienkardinals Kurt Koch übernehmen mögen, der sich entschieden gegen eine „Verbilligung der Lehre“ ausspricht.

Im zweiten Vortrag am Freitag beleuchtete der katholische Priester und in St. Pölten lehrende Professor für Dogmatik und ökumenische Theologie Dr. Michael Stickelbroeck die Ekklesiale Dimension des Ehesakramentes. Klassischerweise bildet die Ehe nach dem Brief des Völkerapostels Paulus an die Epheser (Eph 5, 32) die Einheit von Christus mit seiner Braut, der Kirche, ab. Die Ehe ist von der Kirche getragen und steht unter ihrer Autorität. Sie geht dadurch weit über eine private Abmachung hinaus. Das Urbild der Liebe und damit der Familie ist die Dreifaltigkeit. Die Empfängnisverhütung stellt die personale Liebe als fruchtbringende Liebe in Frage, sie trennt das mutuum adiutorium (gegenseitige Hilfe des Ehepaares) vom Schenken des Lebens. Eheleute sollen aber Mitarbeiter des Schöpfers sein (daher auch lateinisch treffend procreatio). Stickelbroeck forderte, die Sackgasse der gängigen, großflächigen Sakramentenzuteilung, die lediglich aus Gründen oberflächlicher Friedlichkeit und des Einnehmens von Kirchensteuer praktiziert werde, zu überwinden. Die Forderung nach Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion ohne Reue, Beichte, Buße und Beendigung des Lebens im Ehebruch ist ein „Wunsch nach Legalisierung des permanent Widersprüchlichen“. Die Ausrichtung auf das Heil der Menschen geht damit verloren.

Die nachmittägliche Session wurde von Univ.-Doz. Weihbischof Dr. Andreas Laun OSFS mit Ausführungen zur Familienpastoral eröffnet. Laun kritisierte die oberflächliche Ehevorbereitung in den deutsch¬sprachigen Ländern. Die Kirche in der Ukraine hat die Ehevorbereitung auf ein halbes Jahr ausgedehnt, was zu einem dramatischen Sinken der Scheidungsrate geführt hat, sodaß selbst die Behörden darauf aufmerksam geworden sind. Laun betonte, daß die Enzyklika Humanae Vitae von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1968 keine innerkatholische Lehre über eheliche Pflichten im Sinne von Fortpflanzung, sondern eine mit der Vernunft erkennbare, naturrechtliche ist. Katholische Moraltheologie und christliche Sittenlehre sind deswegen eine „Lesehilfe“ dafür, was von Natur aus „in das Herz des Menschen geschrieben“ ist (um auf das berühmte Buch von Wolfgang Waldstein anzuspielen). Menschen sind sich in den Tiefenschichten ihrer Seele dessen bewußt, wenn sie auf dem Gebiet der Sexualität falsch handeln.

Trotz „brutaler Aggressionen“ gegen gläubige Christen und „zunehmendem Totalitarismus“ gibt es auch Zeichen der Hoffnung in Form vieler Initiativen zugunsten von Ehe, Familie und Leben, auch solche, die ein, durch Trennung erzwungenes Alleinsein in heroischem Geist leben.

Den letzten Vortrag des Tages hielt Prof. Dr. Harald Seubert (tätig in Nürnberg-Erlangen, Basel und am Romano-Guardini-Lehrstuhl in München) zum Thema Familie in Beziehung zu Staat und Gesellschaft. Mit Hinweis auf das berühmte Zitat von Ernst Wolfgang Böckenförde Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann, formulierte Seubert eingängig: „Wenn das Ethos nicht mehr da ist, ist der Staat auf Schlingerkurs.“ Die Familie hat metaphysische, ethische und sakramentale Dimensionen, die vom Staat nicht ersetzt werden können. Mit Blick auf die Platonische Relation zwischen Polis und Psyche (wobei die Familie sozusagen das Mittelstück ist) formulierte Seubert drei Punkte:

  1. Der moderne Staat, der mit Gewaltenteilung und Souveränitäts¬monopol zwei wichtige Charakteristiken besitzt, braucht die Ressourcen, die er selbst nicht garantieren kann.
  2. Der Staat müßte schon aus Eigeninteresse die Familie stärken. Sie ist Keimzelle der Gesell¬schaft und Ort der Tradierung eines Ethos. Dieses fördert die wünschenswerte Unabhängigkeit von Markt und Meinungen, da ein Konsens ohne Wahrheit Diktatur ist.
  3. Das tiefe Wissen, daß wir nicht nur aus positiven Satzungen leben, ist schon im Altertum als Naturrecht kodifiziert worden, wofür Antigone (nach dem gleichnamigen Drama des Sophokles, etwa 440 v. Chr.) ein bekanntes Beispiel ist. Heute gilt es, die Beziehung des Staates auf Gott wieder zu gewinnen, der Mensch soll damit als Person in Ehren existieren können.

Samstag früh wurden die Grußbotschaften von Prof. Dr. Walter Kardinal Brandmüller, der wegen eines unerwarteten Krankenhausaufenthaltes als Referent ausgefallen war, sowie vom St. Pöltener Diözesan- und österreichischen „Familienbischof“ DDr. Klaus Küng verlesen. Sie beide zeigten sich ausdrücklich dankbar, dass der Alte Orden vom St. Georg sich dieses hochaktuellen Themas annimmt.

Zuerst sprach der aus der Diözese St. Pölten stammende und in Rom lebende Priester und Philosophiedozent Dr. Marc Hausmann als Ersatzreferent für Kardinal Brandmüller. Mit den Ereignissen in Rom beginnend, erwähnte Hausmann, daß vom Sekretariat der Bischofssynode über das Votum eines Kongresses von Laienverbänden nicht wahrheitsgetreu berichtet wurde. Die Verbände hatten sich mit großer Mehrheit für die Beibehaltung der überlieferten Lehre ausgesprochen, was mit gleichsam „stalinistischen Methoden“ ins Gegenteil verkehrt worden sei. Hausmann erinnerte auch an das unerklärliche Verschwinden der Bücher „In der Wahrheit Christi bleiben“, welches vom Verlag für jeden Teilnehmer noch vor der Bischofssynode 2014 im Vatikan hinterlegt wurde.

Hausmann referierte über den inneren Zusammenhang zwischen Ehesakrament und Kommunionempfang. Er sprach über die heiligmachende Gnade als Grund, warum die Kommunion bei gescheiterter Ehe und Wiederheirat fruchtlos bleibt. Die heiligmachende Gnade ist das übernatürliche, göttliche Leben im Menschen. Die Kommunion stärkt und ernährt dieses Leben. Wenn das göttliche Leben durch die Todsünde (Ehebruch) verloren wird, kann es nicht von der Kommunion genährt werden. Erst nach einer reuevollen Beichte kann die Kommunion wieder wirksam werden.

Im nächsten Vortrag sezierte Hochschulprofessor Dr. Thomas H. Stark (St. Pölten und Heiligenkreuz) die philosophischen bzw. ideologischen Grundlagen von Kardinal Walter Kasper, der einer der Protagonisten der innerkirchlichen Revolution ist. In schreiendem Gegensatz zur althergebrachten Philosophie und zum gesunden Menschenverstand, löst Kasper in der Tradition Hegels und somit der Gnosis in „evolutionistischer“ Weise Wahrheit in Geschichtlichkeit auf. Dahinter steht eine unbegründet optimistische Haltung gegenüber der „modernen“ Weltgestalt. Damit verlieren auch die alten Glaubensdokumente jede normative Kraft, auch die Bibel. Im – sehr wirren – Kasper’schen System gibt es keine Objektivität mehr, letztlich ist er selbst der einzige Interpret seines Systems. Damit gleicht er dem Naturwissenschaftler, Teilhard de Chardin SJ, dessen Universum irgendwo zwischen Philosophie, Theologie und Evolution suspendiert ist. Kasper zitiert ihn zustimmend. Durch die Verwerfung der Scholastischen Theologie und Moral baut Kasper sein System (das im Übrigen außerhalb der Theologie ohnehin niemanden interessiert) auf Sand. Am Schluß bleibt nichts übrig, so Prof. Stark.

Der Nachmittag wurde von der medial bekannten Autorin, Journalistin und Aktivistin Birgit Kelle mit dem Thema Gender Mainstreaming und christlicher Glaube eingeleitet. Sie kritisierte, daß die völlig wirklichkeitsfremde Ideologie, eine Erfindung u.a. der lesbischen Linguistin Judith Butler, von der sozialen Bedingtheit und freien Wählbarkeit der Geschlechter tief in die Kirche eingedrungen ist. Die Evangelische Kirche Deutschlands formuliert sogar die Schöpfungsgeschichte um (Bibel in gerechter Sprache). Dort taucht auch die Meinung auf, Zweigeschlechtlichkeit wäre eine „Erfindung der Nazis“. Im Prinzip geht es um die Zerstörung der Ehe (was 1968 eben noch nicht funktioniert hat) durch ihre Ausweitung auf alle möglichen Lebensgemeinschaften. Die gesellschaftliche Realität ist aber immer noch eine ganz andere.

Es geht schon längst nicht mehr um „Toleranz“ sondern um „Akzeptanz“ dieser Verirrungen. Kelle kritisierte die Tendenz zum Kollektivismus und die Abkoppelung der Fortpflanzung von der Biologie durch Eizellenspende und Leihmutterschaft. Abgesehen von der Unsicherheit, was die Vaterschaft angeht, ist heute nicht einmal mehr die Mutter gewiß. Kelle ermutigte, daß der Kampf noch lange nicht verloren ist, denn er wurde seitens der Menschen guten Willens noch nicht einmal aufgenommen.

Der letzte Vortrag wurde von dem aus Chile stammenden Autor und Aktivisten Mathias von Gersdorff zum Thema Politische und ideologische Direktiven gegen die Familie gehalten. Er führte aus, daß die gesellschaftspolitische Gender-Ideologie schwer zu definieren und eigentlich ein Chamäleon ist. Was klar ist, da sie ja diametral gegen jede Vernunft ist. Er kam auf den irrationalen Haß auf die Realität durch Judith Butler und Shulamit Firestone, als Urmütter dieser Ideologie zu sprechen. Gersdorff, der sich bei den erfolgreichen „Demos für alle“ in Stuttgart einsetzt, sprach aus eigener Erfahrung von einer Aggressivität der Gegendemonstranten, die es nicht einmal bei den Abtreibungskämpfen der 90er Jahre gegeben hat. Die dortige grün-rote Landesregierung reagiert sehr nervös auf den Widerstand.

Gersdorff beklagte das Eindringen dieser Gender-Ideologie in die Kirche, die mit dem „geballten Haß“ auf die Enzyklika Humanae Vitae (über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens) 1968 begann. „Die Rede von Kardinal Kasper vor dem Konsistorium hat die Büchse der Pandora geöffnet“, schloß Mathias von Gersdorff.

In der Predigt des levitierten Hochamtes im überlieferten Ritus in der Burghauser Pfarrkirche St. Jakob am Abend des 29. August, wies Doz. Dr. Marc Hausmann auf das Zeugnis des hl. Johannes des Täufers hin, dem sein Eintreten für die Reinheit der Ehe den Kopf gekostet hat.

Der Konvent ging am Sonntag mit einer hl. Messe und einer Führung auf der Burg zu Ende.

Resümee

Wie in den moderierten Diskussionen und persönlichen Gesprächen offenkundig wurde, werden sowohl die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, wie auch jegliche Form der kirchlichen Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften entschieden abgelehnt. Es könne auch keinen „Deal“ zwischen traditionsverbundenen und dem Zeitgeist hinterher eilenden Bischöfen geben, in welchem das Ehesakrament in seiner tradierten Form unangetastet bleibt, dafür aber Homo-“Ehen“ aner¬kannt und gesegnet würden. Einigkeit herrschte auch darüber, daß es keine (kirchen-) politische Korrekt¬heit geben kann, welche es verbietet, das Böse, die Sünde und sündhaftes Verhalten als Solches zu benennen. Um diese Ziele im Sinne der wahren biblischen Lehre zu erreichen, hoffen viele auf eine Reform des Religionsunterrichts und der allgemeinen Katechese. Dazu gehört auch eine sinnvolle Sakra¬mentenlehre an den Schulen, Hochschulen und Priesterseminaren – auch wenn dies eine Rückkehr zu tradierten und sogenannten „vorkonziliaren“ Formen verlangt. Nur so kann das allgemeine Unwissen über die sakramentale, sowie gesellschaftliche Bedeutung von Ehe und natürlicher Familie überwunden werden. Eine fundierte Glaubensvermittlung wird nicht zuletzt als Aufgabe der Priester und Katecheten gesehen, die ein religiöses Bewußtsein im Sinne von persönlicher Gewissenserforschung und der Wiederherstellung der familiären „Hauskirche“ schaffen müssen. Entgegen „pastoralen“, hinter zweideutigen Formulierungen versteckten Aufweichungen, werden von der Bischofssynode und letztlich von Seiner Heiligkeit, Papst Franziskus, klare Worte, konsequente Richtlinien und umsetzbare Vorgaben erwartet. Erst dann, so die mehrheitliche Meinung der Teilnehmer am 15. Sommerlichen Arbeitskonvent des Alten Ordens vom St. Georg, kann dem Thema der XIV. Generalversammlung der Bischöfe im Oktober 2015, Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute, Sinn und langfristiger Erfolg verliehen werden.

Alle Vorträge sind online abrufbar unter: www.gloria.tv/user/BCmffPqzGa3

Erwartungen gläubiger Christen von der Bischofssynode

(in Rom, 4. – 25.Oktober 2015)

Zusammenfassend ergaben sich mehrheitlich folgende Erwartungen von der Bischofssynode:

  • Keinerlei Änderungen am Sakrament der Ehe, als Richtschnur für gelingendes Familienleben.
  • Trotz kirchlicher Barmherzigkeit gegenüber Sündern, die im Ehebruch leben, keine Kommunion ohne ehrliche Beichte, Buße und Willigkeit zur Änderung der sündhaften Lebensumstände.
  • Intensivierung der traditionellen Glaubenslehre und des Religionsunterrichts in Schulen, Priesterseminaren und weiteren akademischen Instituten der Theologie.
  • Mehr katechetische Kirchenpredigten über die traditionelle Theologie der Sakramentenlehre.
  • Zeitliche Verlängerung und inhaltliche Vertiefung der kirchlichen Ehevorbereitung für Brautpaare, um ihre vorläufige Partnerwahl auch vom Religiösen her überdenken zu können.
  • Trotz Einbeziehung in aktives Kirchenleben, keinerlei kirchliche Anerkennung, geschweige denn Segnung von gleichgeschlechtlich zusammenlebenden Partnern.
  • Keine (kirchen-)politische Korrektheit, welche es verhindern soll, das Böse und sündhaftes Verhalten im Bereich Ehe und Familie, als solches zu benennen, weil verständnisvolles Schönreden üblicher Verwirrungen und Verfehlungen schlicht teuflisch ist.
  • Empfohlen wurde auch, für die Bischöfe und den Heiligen Vater zu beten, um die richtigen Entscheidungen bei der Synode zu treffen und die Einheit der Kirche zu bewahren.

Angesichts der hohen Teilnehmerzahl, der Qualität der Vorträge und anschließenden Diskussionen, sowie des anregenden Austauschs während der gemeinsamen Mahlzeiten und langen Abende, kann von der effektiven Wirkung in weiteren meinungsbildenden Zirkeln ausgegangen werden. Dies verleiht dem Alten Orden vom St. Georg Sinn und Zweck als zeitkritische Denkwerkstatt.

Die Vorträge werden auch in Printform erscheinen.

Wien, im September 2015